H o l d e S c h w e r m u t

Von meinen Freunden werde ich manchmal gefragt,"warum schreibst Du so schwermütige Gedichte, schreib doch mal was Leichteres".

Es stimmt. Die meisten meiner Gedichte sind tatsächlich ziemlich schwer "mütig".

Vielleicht kann ich aber mein Leben "leicht mütiger" leben, weil ich durch das verdichtete Schreiben, ein Stück weit meine Seele befreie.

Ich habe relativ spät damit angefangen. (mir dem Schreiben von Lyrik)

Damals hatte ich erfahren, dass mein Vater ein nicaraguanischer Revolutionär war. Er wurde in seinem Land hingerichtet, bevor ich ihn kennenlernden durfte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung und die Nachricht hat mich komplett umgehauen. Ich war Anfang Vierzig.

Einzige Rettung: Gedichte schreiben.

Der erste lyrische Text Heimgang ist so entstanden und wurde prompt in einer Anthologie veröffentlicht.

 

...du bist so nah,

dass es mich schmerzt

und ich weiß nicht genau, ob mir das taugt...

 

Es schien mir nur so möglich meinen Schmerz zu kanalisieren. Ihn schnell, wie meine sich überschlagenden Gefühle, auszudrücken.

Ein beschützter Aufschrei!

Hilde Domin hat einmal gesagt: Nach einem Schockerlebnis gibt es:

den Psychologen, das Gebet, oder aber, man kann kreativ werden. (Vielleicht auch alles zusammen:)

 

Viele meiner Gedichte sind in Anlehnung dieser Erfahrung entstanden.

Mit dem Alltagsleben in Beziehung gesetzt, haben sie mir peu à peu geholfen, mich mit meinem Leben auszusöhnen.  Es hat gedauert, aber ich bin dankbar dafür.

Ohne meine Ahnen wäre ich nie zum verdichteten Schreiben gekommen.

Ich hätte nicht die Kraft des Wortes entdeckt, das mir dabei hilft, zu mir zu stehen, egal wer oder was ich bin.

Dichten macht demütig. Ich empfinde es als eine Gnade und wer weiß, vielleicht werden irgendwann meine Gedichte leichter, aber da stecke ich nicht drin. Oder vielleicht doch, denn ich muss in mich hineinhören und erspüren, was nach draußen will.

Es bleibt spannend!

In jedem Fall für mich:)