Herbstzeit Los

Endlich Herbst. Die Zeit des großen S t a u n e n s.

Viele derTiere bereiten sich auf eine große Reise oder ihren Winterschlaf vor. In den Farben der Blätter scheint eine rot-goldene Sonne zu träumen. Der Nebel als Wächter einer anderen Welt wartet sanft, aber bestimmt und es würde mich nicht wundern, wenn Kobolde oder Elfen zwischen den versteckt am Boden liegenden Ästen hervorspitzen, um mich zum Narren zu halten.

Der Herbst regt meine Fantasie an, wie keine andere Jahreszeit. Wenn die Natur und mein Ich im Rückzug sind, bricht sie aus.

In der Döberitzer Heide, in der ich regelmäßig herumspaziere, hängt ein unglaublich würziger Duft. Es riecht nach nassem Holz, süßem Moder, nach Vergänglichkeit, Weihnachten und Kaminfeuer, nach Winter und warmen Farben, die kalt riechen.

Ein Feuerwerk für die Sinne.

 

Um diese Jahreszeit stehe ich  gern zwischen fünf und sechs Uhr morgens auf.

Ich mach mir einen Tee,  bringe  Heizung und CD-Player zum Laufen (ja, ich hab noch einen und steh dazu) und lehne mich mit einer Wärmflasche im Rücken und dem Schreibblock auf den Knien ins Sofa.

Aus den Boxen der festliche Tenor von Enrico Caruso, il sogno.

Ich kann die "alte Zeit"  förmlich riechen. Im antiken Knistern seiner Stimme schwingt eine zarte Wehmut, die für mich ebenso zum Herbst gehört, wie die klassische Musik.

Mein Kopf wird leicht ich gebe mich ganz dem Moment hin, greife zum Bleistift ( Feder und Tinte habe ich nicht;) und  fange an die Blätter zu füllen. Ich korrigiere nichts, schreibe, was mir einfällt.

Verdichtet.

In jenen frühen Morgenstunden scheint mich alles zu inspirieren, die sinnliche Stimme des Tenors, die Katze auf der Decke, das Dunkel draußen und die kleine, an der Seite eingerissene Papierlampe, die ein behagliches Licht auf meine Fantasie, und den Raum wirft. Nichts und niemand rührt sich. Und doch ist Bewegung im Bild.

Während ich schreibe scheint es mir, als würden sich mehrere Epochen vereinen und durch meine Adern rinnen. Ein unendlicher Fluss, ohne Anfang, ohne Ende. Die Zeit bleibt stehen.

Im Wort..

 

... Seele

 weicht flüsternd,

 streichelt zärtlich ihren Diener

 ein letztes Mal - 

 sanftes Staunen der Eingeweide...